Hyaluronsäuretherapie für Gelenke, Sehnen und Bänder

Die Behandlung von arthrotischen Gelenken mittels Hyaluronsäure hat in der Veterinärmedizin eine erheblich längere Tradition als in der Humanmedizin. Bereits seit 50 Jahren und mehr haben Tierärzte Springpferde mit Hyaluronsäure, die intraartikulär in die Vorhand gespritzt wurde, behandelt. Erst spät im Vergleich hierzu rückte die Substanz in den Fokus der Humanmediziner.

Statt Kortisoninjektionen in ein krankes Gelenk hat sich die Therapie mit der so genannten Hyaluronsäure nachweislich bewährt.

Einsatzgebiet dieser Injektionen in große oder kleine Gelenke ist die Behandlung des Gelenkverschleißes (Arthrose).

Zwischenzeitlich können alle Gelenke des Körpers mit dieser wirksamen Therapie behandelt werden. D. h.: Neben den Knie- und Hüftgelenken ist es jetzt möglich, beispielsweise auch Schultereckgelenke, Wirbelgelenke (Facettengelenke bei Spondylarthrose), Sprunggelenke oder Kiefergelenke zu behandeln.

Seit einigen Jahren ist die Hyaluron-Therapie aber auch zur Behandlung von chronischen Sehnenentzündungen (z.b. an der Achillessehne oder beim Supraspinatussehnen-Syndrom an der Schulter) oder bei Sehnenansatzreizungen (z.b beim Tennis-Ellenbogen) zugelassen. Auch nach Bandverletzungen hat sich das hochvidköse Hyaluron-Präparat bewährt (z.B. bei Außenbandrupturen am Knöchel oder bei Knieseitenbandverletzungen). 

Wirkung der Hyaluronsäure im Gelenk

Die Viskosität (=Schmiereigenschaft einer Substanz) der Gelenkflüssigkeit, die durch die Arthrose erniedrigt ist, wird erhöht und somit werden deren schmierende und stoßdämpfende Eigenschaften wiederhergestellt.

Die von der Arthrose angegriffene Schutzschicht der Gelenkoberfläche aus Hyaluronsäure wird wiederhergestellt und so der Knorpel vor weiterer Schädigung geschützt. Die Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovialmembran) geht zurück.

Im gesunden Gelenk spielt Hyaluronsäure eine entscheidende Rolle. Bei der Arthrose ist die Stoffwechselgleichgewicht (Homöostase) im Gelenk gestört und es kommt zu einer Kette von Entzündungsreaktionen, die den Knorpel dauerhaft schädigen.

Durch die Injektion des natürlichen Knorpelbausteins Hyaluronsäure kommt es bei den meisten Patienten (ca. 80%) zur einer spürbaren Schmerzlinderung, besseren Gelenkfunktion und damit zu einer deutlichen Steigerung von Vitalität und Lebensqualität. Gelenkoperationen können vermieden oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Üblicherweise werden je nach verwendetem Präparat 1 – 5 Injektionen jeweils in wöchentlichem Abstand vorgenommen. Bei Bedarf kann die Injektionsserie nach 6 – 12 Monaten wiederholt werden. Die Injektion ist schmerzarm (vergleichbar mit einer Blutabnahme). Zusätzlich kann auch ein Lokalanästhetikum gegeben werden.

Um zu gewährleisten, dass die Substanz in die Gelenkhöhle gespritzt wird, kontrolliert der Orthopäde die korrekte Lage der Injektionsnadel. Dies wird bei uns regelhaft beispielsweise mit Hilfe des Ultraschallgeräts bei Injektionen in Hüft- oder Wirbelgelenke durchgeführt.

An Nebenwirkungen sind sehr selten vorübergehende Spannungsschmerzen oder eine rasch abklingende Schwellung bekannt.

Trotz der guten Erfahrungen in der täglichen Praxis und des guten Evidenzniveaus gibt es sich teilweise widersprechende Publikationen hinsichtlich der therapeutischen Richtlinien bei der Arthrose sowie auch bei Metaanalysen widersprüchliche Darstellungen. Diese sind teilweise bedingt durch methodologische Unterschiede und auch unterschiedliche Produkte zur Viskosupplementation hinsichtlich der Konzentration, des Molekulargewichtes, der molekularen Organisation und der Injektionsprotokolle.

Mit Ausnahme von Hyalart, das als Arzneimittel zugelassen ist, werden die übrigen Hyaluronsäuren in Deutschland als Medizinprodukte geführt, was eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen trotz nachgewiesener Wirksamkeit einzelner Produkte nahezu ausschließt. Der Cochrane-Review von 2005 fasst viele klinische Daten zusammen. Reduziert man die Ergebnisse dieser Metaanalyse auf die in Deutschland verbreitetsten Hyaluronsäuren, so ergeben sich für die auch von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassenen Produkte Hyalart, Orthovisc und Synvisc positive, placeboüberlegene Wirksamkeits- und gute Sicherheitsprofile. Für die übrigen Produkte können größtenteils aufgrund mangelnder valider klinischer Daten keine Aussagen getroffen werden.

Desweiteren zeigte eine neuere Studie, dass Hyaluronsäure sowohl billiger war als auch effektiver als eine konventionelle Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika ( z.B. Diclofenac,Ibuprofen) und Analgetika. Zudem ist die Hyaluronsäuretherapie in der aktuellen Behandlungsleitlinie der Orthopädischen Fachgesellschaften für die Kniearthrose ausdrücklich im Rahmen eines gesamtheitlichen Behandlungskonzepts empfohlen. (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-004.html)

(Hatoum HT, Fierlinger AL, Lin SJ, Altman RD (2014) Cost-effectiveness analysis of intra-articular injections of a high molecular weight bioengineered hyaluronic acid for the treatment of osteoarthritis knee pain. J Med Econ 17(5):326–337. doi:10.3111/13696998.2014.90284)


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